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Vielfalt in der Beratung

Queere und trans*- Lebensrealitäten sichtbar machen

Online - Fachtagung des Landesverbandes donum vitae NRW

Mittwoch, 4. März 2026 - 9:00 - 16:00 Uhr

Mit dieser Fachtagung betreten wir gemeinsam ein Feld, das komplex, lebendig und gesellschaftlich hochaktuell ist – es geht um Identität, Vielfalt, Zugehörigkeit. Um Fragen, die tief berühren und manchmal auch verunsichern. Um Themen, bei denen es nicht nur um Haltung, sondern auch um Handeln geht. 

Zwei gegensätzliche Beobachtungen prägen dabei unsere gesellschaftliche Realität:
Einerseits erleben viele – auch in Fachkontexten – eine Phase der Öffnung, der Neugier, des Umlernens. Es gibt Lücken im Wissen – auch geprägt durch ein heteronormatives Umfeld. Aber es gibt ebenso Mut, eigene Bilder, Selbstverständlichkeiten und Privilegien zu hinterfragen. Es entstehen neue Begriffe, Sichtweisen und Gesprächsräume – auch in Beratungskontexten.
Dabei ist wichtig anzuerkennen: Viele Menschen haben in früheren Jahrzehnten für Gleichberechtigung, Sichtbarkeit als Frau und feministische Errungenschaften gekämpft. Umso wichtiger ist es, dass sie in neuen Debatten nicht abgewertet oder als überholt dargestellt werden, sondern als Teil der Entwicklung mitgedacht und anerkannt bleiben. Nur so kann echter Dialog auf Augenhöhe entstehen – zwischen Generationen, Weltanschauungen und Lebensrealitäten.
Andererseits ist in Teilen unserer Gesellschaft ein spürbarer Backlash zu beobachten: eine Rückbesinnung auf starre Rollenbilder, ein Erstarken traditioneller Normvorstellungen, teils offen queerfeindliche Haltungen – in sozialen Medien, im öffentlichen Diskurs und in der Politik.

Zwischen diesen Polen bewegt sich unser Alltag – auch in der Beratung. Und genau deshalb braucht es Räume wie diesen: zum Lernen, Austauschen, Fragenstellen. Zur Reflexion und zur Stärkung einer professionellen, offenen und diversitätssensiblen Haltung.
Wir laden dazu ein, gemeinsam zu erkunden, was Vielfalt wirklich bedeutet – im Leben und in der Beratung. Wo Herausforderungen liegen, wie wir uns sprachlich und fachlich sicherer bewegen können und welche Impulse wir brauchen, um unsere Beratungsarbeit weiterzuentwickeln.

Freuen Sie sich auf einen spannenden Tag voller Input, Austausch und Impulse mit folgendem Programm:
 

Programmablauf

9:00 Uhr     Begrüßung und Einstieg

9:15 Uhr    Vielfalt verstehen: ein Blick auf Geschlecht, Kultur und Gesellschaft - Sandra de Vries 
Warum verunsichert uns das Unbekannte? Warum reagieren wir auf Vielfalt oft mit Skepsis?
Der Einführungsvortrag zum Fachtag „Vielfalt in der Beratung - Queere und trans* - Lebensrealitäten sichtbar machen" lädt dazu ein, die eigene Prägung zu hinterfragen und sich mit gesellschaftlichen Reaktionen auf Geschlechtervielfalt auseinanderzusetzen.
Anhand alltagsnaher Beispiele und globaler Perspektiven geht es um Fragen wie: Was bedeutet Geschlecht eigentlich – und wie wird es in anderen Kulturen verstanden? Warum entstehen Abgrenzungen? Und welche Rolle spielen soziale Normen und kulturelle Bilder dabei? 

10:15 Uhr    Einblick in Lebenswelten inter*, trans* und nicht-binärer Menschen - Lou Martin und Mika Schäfer
Der Vortrag widmet sich den Erfahrungen inter*, trans* und nicht-binärer Menschen und zeigt ihre Bedeutung für die Beratungspraxis auf. Im Fokus stehen Identität und Selbstdefinition, die Herausforderungen von Coming-out-Prozessen in Familie, Beruf und Gesellschaft sowie Erfahrungen mit Diskriminierung und Queerfeindlichkeit im sozialen und beruflichen Umfeld. Ergänzt wird der Input durch Unterstützungsnetzwerke, die Orientierung, Halt und Empowerment bieten. Ziel ist es, das Verständnis für inter*, trand* und nicht-binäre Lebensrealitäten zu vertiefen und die Beratungskompetenz nachhaltig zu stärken. 

10:45 Uhr    Pause

11:00 Uhr    Geschlechtervarianz, Transition und die Vielfalt von geschlechtlichen Erfahrungen - Dr. Garcia Nuñez (Basel)
Wie verstehen wir Geschlecht – als biologische Gegebenheit, als soziale Konstruktion oder als Zusammenspiel von Körper, Psyche und Gesellschaft? Dr. García Nuñez gibt einen Überblick über Denkrahmen zu Geschlecht und Vielfalt: von biologischem Determinismus über sozialen Konstruktivismus bis hin zum bio-psychosozialem Modell. Er beleuchtet, was Geschlechtervarianz bedeutet, welche individuellen Wege und Wünsche nach Transition entstehen können und welche sozialen Herausforderungen damit verbunden sind. Der Vortrag eröffnet Perspektiven für einen respektvollen und empathischen Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt.  

12:15 Uhr    Pause

13:00 Uhr    Einblick in queere Lebenswelten unter Berücksichtigung rechtlicher Aspekte (Selbstbestimmungsrecht) - Merit Kummer und Helix Große-Stoltenberg
Rechtliche Rahmenbedingungen prägen den Alltag queerer Menschen entscheidend – sie eröffnen Chancen, können aber auch Barrieren schaffen. Der Vortrag gibt einen Überblick über das Selbstbestimmungsrecht und den Diskriminierungsschutz und stellt die aktuelle rechtliche Situation in Deutschland vor. Ergänzend werden Familien- und Partnerschaftsrechte beleuchtet – von Adoption über die „Ehe für alle“ bis hin zu den besonderen Herausforderungen queerer Elternschaft. Anhand konkreter Beispiele wird sichtbar, wo bereits Fortschritte erzielt wurden und wo queere Menschen im Alltag noch immer auf rechtliche wie gesellschaftliche Hürden stoßen. Ziel des Vortrags ist es, rechtliche Grundlagen verständlich zu vermitteln und ihre Bedeutung für die Beratungspraxis deutlich zu machen. 

14:00 Uhr    Pause

14:15 Uhr    Wie gelingt trans*sensible Beratung? - Dr*in Sarah Dionisius und Ines-Paul Baumann
Trans Personen begegnen im Alltag und auch in Beratungssituationen häufig Vorurteilen, Unsicherheiten und fehlendem Wissen. Der Vortrag geht der Frage nach, wie eine transsensible Beratung gelingen kann und wie die eigene Haltung reflektiert und entwickelt werden kann. Dabei werden relevante Hürden aufgezeigt – etwa in Bezug auf sensiblen Umgang oder strukturelle Zugangsschwellen. Ebenso werden Handlungsempfehlungen und hilfreiche Ressourcen vorgestellt, die zu einer respektvollen, empowernden und kompetenten Beratung beitragen: von bewusster Sprache über Verweiskompetenz bis hin zur inklusiven Gestaltung von Räumlichkeiten.

15:15 Uhr    Breakout sessions:
Fachlicher Austausch: Was nehme ich mit? Welche Impulse haben mich bewegt? Ergebnissicherung und Transfer in den beruflichen Alltag - Fortbildungsteam donum vitae NRW e.V.

15:45 Uhr    Feedback

16:00 Uhr    Verabschiedung & Ende der Fachtagung 
 

Referierende (in der Reihenfolge der Beiträge)

Sandra de Vries, M.A.
Ethnologin | Interkulturelle Kompetenz | Culture Skills – Communication Skills
Sandra de Vries ist Ethnologin (M.A.) mit Schwerpunkt auf interkultureller Kommunikation und Kompetenzentwicklung. Sie arbeitet als Trainerin, Beraterin und Konzeptexpertin im Bereich Culture Skills – Communication Skills, wo sie Organisationen und Teams in Fragen der interkulturellen Zusammenarbeit, Diversität und Kommunikation unterstützt. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit praxisorientierten Methoden, um nachhaltige Lern- und Veränderungsprozesse zu gestalten.

Lou Martin und Mika Schäfer
Landeskoordination Inter* NRW | Landeskoordination Trans* NRW
Die Landeskoordination Inter* NRW (https://www.lako-inter.nrw/) ist eine landesweite Fachstelle zur Unterstützung der Gruppen und Angebote von und für inter* Menschen in Nordrhein-Westfalen. Sie vertritt die Interessen, Ziele und Forderungen intergeschlechtlicher Menschen und deren Angehöriger in NRW. 
Die Landeskoordination Trans* NRW (https://www.lako-trans.nrw/) ist eine NRW-weite Fachstelle zur Unterstützung von Strukturen von und für trans* Menschen sowie zur Aufklärung und Information von Fachkräften, Institutionen und der Gesamtgesellschaft über geschlechtliche Vielfalt und die Bedarfe von (binären und nicht-binären) trans* Menschen.
Beide Fachstellen befinden sich in Trägerschaft des Queeren Netzwerks NRW e.V. und werden vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Dr. med. David Garcia Nuñez
Universitätsspital Basel | Sexual- und Geschlechtermedizin | Innovations-Focus Geschlechtervarianz
Dr. David Garcia Nuñez ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Sexual- und Geschlechtermedizin. Er leitet am Universitätsspital Basel den Innovations-Focus Geschlechtervarianz und verbindet dabei interdisziplinäre Forschung mit praxisnaher klinischer Arbeit. Seine Projekte fördern eine evidenzbasierte, respektvolle Versorgung sowie gesellschaftliche Sichtbarkeit geschlechtervarianter Menschen.

Merit Kummer und Helix Große-Stoltenberg 
rubicon e.V. Köln | Fachberatung Geschlechtliche Vielfalt
bieten als Teil des Fachteams für geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung im rubicon in Köln Beratung, Fachberatung und Fortbildungen an. Zur Zielgruppe gehören trans, nicht-binäre und inter* (TIN) Personen, die sich mit ihrer Geschlechtsidentität oder mit damit verbundenen Themen beschäftigen, questioning Personen, sowie Angehörige und Fachkräfte, die TIN Personen begleiten.

Dr*in Sarah Dionisius 
rubicon e.V. Köln | Politikwissenschaftlerin | 
Dissertation zum Thema Queere Praktiken der Reproduktion – Wie lesbische und queere Paare Familie, Verwandtschaft und Geschlecht gestalten.
Arbeitsbereich im rubicon: Psychosoziale Beratung, Einzel-, Paar- & Familienberatung sowie Bildungs- und Vernetzungsarbeit mit dem Schwerpunkt Regenbogenfamilien

Ines-Paul Baumann 
rubicon e.V. Köln | 


Moderation:

Annette van den Boom
donum vitae NRW e.V.| Referentin

Matthias Heidrich
donum vitae NRW e.V.| Referent

Kosten:

Early-bird-Tarif bis 31. Dezember 2025

  • Mitarbeiter*innen von donum vitae in NRW: 55,00 €
  • externe Teilnehmer*innen: 69,00 €

Anmeldung ab 1. Januar 2026

  • Mitarbeiter*innen von donum vitae in NRW: 70,00 €
  • externe Teilnehmer*innen: 89,00 €

Anmeldeschluss: 28. Februar 2026

 

 

Wann
04.03.2026 von 09:00 bis 16:00
Ort
Online-Veranstaltung
Deutschland
Teilnahmegebühr(en)
interne Mitarbeiter*innen von donum vitae in NRW 55,00 €
externe Teilnehmer*innen 69,00 €